Zum 15. Mal wird es am 3. Juli in der Wiener Innenstadt laut, bunt und homosexuell: Unter dem Motto "We are family!" wird die Regenbogenparade entgegen der Fahrtrichtung auf der Ringstraße zum Schwarzenbergplatz ziehen.Gegen Ignoranz der Politik
"Es wird viele originelle Ideen geben", versprach Christian Högl, Obmann des Organisationsvereins Hosi. Erwartet werden rund 40 Gruppen: Auf der Veranstaltung soll aber nicht nur gefeiert, sondern auch gegen die Ignoranz der Politik demonstriert werden.
Die Parade startet um 14.00 Uhr beim Stadtpark. Vor dort wird der Tross wie bereits im Vorjahr vorbei am Rathaus, Parlament und der Oper bis zum Schwarzenbergplatz ziehen, wo die Abschlusskundgebung "Celebration" stattfindet.
Veranstalter: "Wetter ist entscheidend"
Von 17.00 bis 22.00 Uhr werden auf einer Bühne unter anderem Lou Bega und "The Bad Powells" auftreten. Wer danach noch nicht heim will, kann den Tag bei den offiziellen Abschlusspartys im "Ost-Klub" am Schwarzenbergplatz und im "brut" am Karlsplatz ausklingen lassen.
Högl rechnet mit mehr als 100.000 Teilnehmern, betonte jedoch: "Das Wetter ist der entscheidende Faktor." Im Vorjahr zählten die Veranstalter 120.000 Gäste.
Limitierte Sonderbriefmarke zum Jubiläum
Eine Besonderheit hat die 15. Regenbogenparade zu bieten: Die österreichische Post gibt eine eigene Sondermarke heraus. Dabei handelt es sich um die "erste, der homosexuellen Bewegung gewidmete Briefmarke der Welt", erklärte Erich Haas von der Post.
Erhältlich ist das rare Stück - es erscheint in einer limitierten Auflage - in einem am Schwarzenbergplatz eingerichteten Sonderpostamt. Gestaltet wurde die Marke von Högl selbst, der Grafiker ist.
Bei Adoption diskriminiert
Trotz Partystimmung wies der Organisator auf den politischen Charakter der Veranstaltung hin. "Trotz eingetragener Partnerschaft gibt es immer noch einiges zu tun", betonte Högl. So würden gleichgeschlechtliche Paare bei der Adoption oder der medizinisch unterstützten Fortpflanzung immer noch diskriminiert werden.
Mit dem Motto "We are family!" wolle man deswegen nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Lesben und Schwule eine große Familie seien, sondern auch, dass sie in Familien leben.
Unterstützung aus der Politik
"Liebe darf in dieser Stadt nicht mit zweierlei Maß gemessen werden", unterstrich auch die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Als "Zeichen der Freude", aber auch als als "Zeichen des Kampfes" bezeichnete die Grüne Klubobfrau Maria Vassilakou den Umzug.
Zur Regenbogenparade werden auch zahlreiche ausländische Gäste anreisen, denn: "Wien hat sich heimlich, still und leise zum Hot-Spot der schwullesbischen Szene entwickelt", betonte Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner.
"Pride"-Festreigen noch bis 3. Juli
Bis zum Startschuss der Regenbogenparade stehen im Rahmen des bereits seit 5. Juni laufenden "Pride"-Festreigens noch zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm. Bereits am Samstag singt Nina Hagen in der Wiener Stadthalle, am darauffolgenden Dienstag lässt Talkmoderator Alfred Biolek dort "Mein Theater mit dem Fernsehen" Revue passieren.
Auftritte von Malediva, Chris Kolonko oder der Travestie-Künstler Peggy Meggy & Friends stehen ebenfalls noch an.
Daneben gibt es Stadtspaziergänge etwa zum Thema "Verdrängtes Unrecht - Die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Nationalsozialismus" oder schwul-lesbische Führungen im Hauptgebäude der Universität oder im Rathaus.
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